Hi allerseits!
Ich war gerade zehn Tage in Spanien - sechs davon beruflich auf einem Kongress mit anschließendem
Workshop in Granada, danach vier auf Urlaub in Madrid.
Ich bin dort zum ersten Mal alleine ausgegangen. Da ich in letzter Zeit immer recht problemlos von einer Beziehung/ Affäre in die nächste gerutscht bin, habe ich, um ehrlich zu sein, deutlich mehr Erfahrung mit C & S als mit A (was nicht heisst, dass ich nicht trotzdem ständig in Bars & Clubs mit Leuten ins Gespräch komme). Eigentlich hatte ich große Lust, mir eine süße Spanierin aufzureissen, schließlich bin ich seit kurzem wieder solo.
1. Ich habe gleich auf der Hinfahrt, einer Busfahrt von Madrid nach Granada (Direktflüge waren zu teuer), ein hübsches Mädel kennengelernt, für die ich wohl interessant war, weil ich gleich viel Enthusiasmus für Spanien, willingness to walk away und den Mut, mit einer ungültigen Busfahrkarte durch halb Spanien zu fahren gezeigt habe, dann gleich in C gegangen bin und dort die vielen gemeinsamen Interessen ausgebreitet habe. Sie drängt mir ihre Mailadresse geradezu auf, schlägt von selbst vor, mit mir in Madrid auszugehen, antwortet auf meine Mail aber erst, wenn ich wieder in Dt bin – angeblich hatte sie keine Zeit. Who knows.
2. Abends in Granada angekommen, ziehe ich erst einmal allein los, mache Tapasbar-hopping und spreche wahllos im Laufe des Abends einige Sets an mit Touristenfragen (wo finde ich...) auf Englisch an, die alle zuerst anbeissen. Dann aber versage ich, u.a. weil ich nach 30 am Computer komplett durchgearbeiteten Stunden Kongressvorbereitung und zehn Stunden Reisezeit dann doch die Konzentration verliere.
Lessons learned: - Amerikanische Austauschstudenten nicht auf Bush ansprechen und auch nicht auf die Vorurteile der Europäer gegenüber Amerikanern. – Wenn Frauen damit anfangen, entäuscht über ihre gerade abwesende LDR zu sprechen, schnell das Thema wechseln. – Man kann manchmal eine AI herbeiführen, indem man einem Mädel / einer Gruppe einfach zuprostet – Selbst jüngere Spanier sprechen oft tatsächlich gar kein Englisch und wenn man, wie ich, auf Spanisch bestenfalls den Weg zum Bahnhof erfragen kann, macht das Gespräch allen Beteiligten keinen Spaß. Manchmal klappt’s wenigstens noch auf Französisch.
3. Mein zweiter Abend alleine (dann in Madrid) ist dagegen ein ziemliches Desaster. Ich gehe gezielt in einen Irish Pub, weil dort viele Touris abhängen und ich mit den Spaniern immer wieder auf die Sprachbarriere stosse. Ich will nicht wieder mit dieser Touri-masche anfangen, habe mir aber keinen Gameplan und versage völlig – kein einziges Set geöffnet. Normalerweise wenn ich in einer Bar / einem Club bin kann ich Leute ganz gut spontan öffnen oder in bereits bestehende Gespräche integrieren, das hat dort aber gerade gar nicht funktioniert, da ich eben alleine unterwegs war.
Lesson learned: Alleine sargen nur mit voll ausgearbeiteten Gameplan und mit bereits zurecht gelegten Openern. Es ist alleine viel schwieriger, „in state“ zu kommen, „talkative“ und spontan zu werden. Das muss ich noch üben. Warum es mir dann aber auch recht egal war, steht ganz unten in diesem Post – ich war von vier Tagen in Madrid nämlich doch nur zwei alleine.
4. An meinem dritten Abend alleine will ich eigentlich nur schnell noch was trinken, damit ich in meinem viel zu lauten Hotel überhaupt einschlafen kann. An einer Bar bestelle ich einen Rotwein und öffne das 2er-Set neben mir mit einem schlichten „Sorry, do you speak english?“ und bevor ich weiterreden kann werde ich gleich zugetextet: „OMG finally someone who speaks english where are you from what are you doing here?“ – 2 Ami-Tussen. Nach einer Weile langweile ich mich im Gespräch mit ihnen, beide sind doof und ich gehe nach Hause.
Lesson learned: Die beiden Amis haben mich trotzdem wie einen Frischling über den Tisch gezogen. Ich frage sie, ob sie noch mit mir einen Absacker trinken und bestelle dummerweise selbst (Fehler). Als es dann ans Zahlen geht, fordere ich die beiden auf, ihre Schnäpse selbst zu bezahlen und die gucken mich nur doof an und tun so, als hätte ich sie eingeladen. Da ich dem spanischen Barkeeper nicht klar machen kann, dass die beiden bitte selbst bezahlen sollen, er sich zum Kassieren natürlich an mich wendet und es mir zu doof ist, wegen den 5 Euro dann den Mädels gegenüber zu insistieren und Theater zu machen, rücke ich seufzend dann doch selbst mit der Kohle raus. Das nächste Mal wenn ich mit mehreren Mädels etwas trinke, lasse ich die bestellen und gebe einer das Geld für meinen Drink. Oder denke besser daran, das 5-Fragen-Spiel zu spielen, das mir sonst immer geholfen hat.
5. Trotzdem war das Ganze für mich ein Erfolg: In den letzten zwei Kongresstagen nehme ich Kontakt zu allen netteren / jüngeren (allen unter 35) Teilnehmern auf und verabrede, dass wir zum Abschluss gemeinsam etwas trinken gehen = social proof. Ich kann mich zugleich auch mit den „wichtigeren“, „renommierteren“ Teilnehmern auf freundschaftliche Weise & auf Augenhöhe unterhalten = social proof. Ich bin mMn besser (& auf dezente Weise origineller) angezogen als die meisten. Do viel zur Vorgeschichte: schließlich lerne ich am letzten Abend beim gemeinsamen Trinken eine andere Kongressteilnehmerin, eine süße Kolumbianerin, kennen, die ich dann in eine andere Bar hin isolieren kann - sie dort zum Lachen bringe, genuines Interesse an ihrer Geschichte zeige, sie mit der BL spiegele, Enthusiasmus zeige, kurze DHV-Geschichten über mich erzähle, über meine Ambitionen rede, ihre feminine Inszenierung mit Körpersprache und Komplimenten als Spiel & Inszenierung benenne („call it out“ - was in diesem Fall gut ankam) und sie dafür besonders komplimentiere. Beständiges
Kino, Ellenbogen zum Einhaken hingehalten, ihr meine Mütze aufgesetzt, bei spontanen Einfällen auf den Arm geklopft, sie beim Aufstehen an der Hand hochgezogen, Arm in Arm durch Granada gehüpft, schließlich beim gemeinsamen Shisha-rauchen eskaliert, zuerst zum kiss-close und dann zum full-close im Hotelzimmer – und dann hat sie tatsächlich meine halb scherzhaft ausgesprochene Einladung, mich zuerst in Madrid und dann in Deutschland besuchen zu kommen, spontan angenommen und ist erst heute wieder nach Spanien zurückgeflogen. Krass.
Madrid dürfte mit seinen vielen engen, vollen Bars und den kontaktfreudigen Frauen jedenfalls ein zum Sargen sehr ergiebiges Pflaster sein, besonders wenn man Frauen in hohen Stiefeln mag ;-) - und Spanisch kann.
Grüße,
CB.
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